Händler werden: Voraussetzungen für den Vertrieb von E-Scootern in Deutschland (2026)
Der deutsche Markt für leichte Elektrofahrzeuge ist reguliert, servicegetrieben und preissensibel zugleich. Dieser Leitfaden zeigt, was Händler erfüllen müssen, bevor sie einen Liefervertrag unterschreiben: Gewerbe und Einfuhr, Produktkonformität, Umweltdregistrierungen, Servicefähigkeit — und die wirtschaftliche Logik hinter Mindestbestellmengen und Preisbindung.
1. Was Lieferanten von einem Händler verlangen
- Gewerbeanmeldung und USt-IdNr. — die gesamte Rechnungskette läuft über ein eingetragenes Unternehmen.
- EORI-Nummer — Pflicht für die Einfuhr in das Zollgebiet der EU.
- Nachweisbarer Vertriebskanal — Ladenlokal, Onlineshop mit realer Reichweite oder bestehender B2B-Kundenstamm.
- Servicefähigkeit vor Ort — Techniker oder Vertragswerkstatt, die Fehler diagnostizieren und Controller, Akku oder Bremsen tauschen kann.
- Lagerfläche — palettierte Ware annehmen und den vereinbarten Sicherheitsbestand halten.
- Produkthaftpflichtversicherung — passend zum geplanten Volumen.
- Marken- und Preisrichtlinien — Markenauftritt und Mindestwerbepreis (MAP).
2. Handelskonditionen in dieser Kategorie
| Punkt | Übliche Kondition |
|---|---|
| Mindestbestellmenge | 10 Einheiten pro Bestellung, Modellmix meist möglich |
| Testgerät | Ein Vorführgerät pro Modell vor der ersten Sammelbestellung |
| Einzelverkauf ab Werk | Bei reinen Großhandelsmarken ausgeschlossen — dieser Kanal gehört dem Händler |
| Einkaufspreis | Stufenbasiert und vertraulich nach Qualifizierung |
| Verkaufspreis | Unverbindliche Preisempfehlung veröffentlicht; MAP setzt die Untergrenze für Werbepreise |
| Lieferzeit | Ca. 50 Tage ab Werk oder sofort aus EU-Lagerbestand |
3. Konformität: die Unterlagen, die über die Einfuhr entscheiden
- CE-Konformitätserklärung, modellbezogen und unterschrieben
- EN 17128 — Prüfbericht für persönliche leichte Elektrofahrzeuge (PLEV)
- EN 15194 — für Elektrofahrräder (Pedelecs)
- UN 38.3 — Prüfzusammenfassung für den Lithium-Akku plus Sicherheitsdatenblatt
- RoHS- und REACH-Erklärungen
- Bedienungsanleitung in der Zielsprache sowie verkaufsfertige Verpackung mit Barcode
- Seriennummern-Rückverfolgbarkeit pro Gerät
Zusätzlich gelten in Deutschland nationale Pflichten für den Inverkehrbringer: Registrierung nach ElektroG (Elektro- und Elektronikgeräte), Batterieregistrierung und Verpackungsregistrierung. Fehlende Registrierungen sind ein häufiger Grund, warum Marktplätze ein Listing ablehnen.
4. Nutzungsregeln unterscheiden sich von Produktnormen
Produktnormen sind EU-weit, Nutzungsregeln national. Vor dem Marketing eines Modells prüfen: zulässige Höchstgeschwindigkeit, Versicherungskennzeichen und Betriebserlaubnis, Mindestalter und Helmpflicht, sowie die Frage, ob das Fahrzeug Radweg, Straße oder Gehweg benutzen darf. Für den deutschen Markt ist eine nationale Typgenehmigung (ABE) bei bestimmten Fahrzeugklassen entscheidend — Händler, die dies korrekt erklären können, verkaufen deutlich besser und vermeiden wettbewerbsrechtliche Probleme.
5. Wo die Marge wirklich entsteht
- Fahrzeugmarge — Differenz zwischen Stufenpreis und realisiertem Verkaufspreis; sie hält nur bei Preisdisziplin.
- Ersatzteilmarge — Akkus, Controller, Reifen, Bremsbeläge, Verkleidungsteile; strukturell höher als bei Komplettfahrzeugen.
- Serviceleistung — Diagnose, Reparatur, Saisonwartung, Inspektion.
- Zubehör — Schlösser, Taschen, Halterungen, Zweitladegeräte.
- Fuhrpark- und B2B-Geschäft — Vermieter, Lieferdienste und Firmenkunden mit Wiederholungszyklen.
Ein Händler, der zwei Punkte mehr Rabatt verhandelt, aber keine Ersatzteilpolitik hat, verdient in der Regel weniger als ein Händler mit Teilelager und funktionierender Preisbindung.
6. Die erste Bestellung als Sortiment aufbauen
- Einstiegsmodell — Aktions- oder Abverkaufspreis für Frequenz und niedriges Eigenrisiko.
- Volumenmodell — trägt den Großteil der Stückzahlen und hat die beste Teileverfügbarkeit.
- Premiummodell — mit einem im Laden demonstrierbaren Merkmal: große Reichweite, hohe Zuladung oder ein Sicherheitsmerkmal wie Fingerprint-Entriegelung.
- Sortimentsergänzung — vierrädrige Mobilitätshilfen für Pflege-, Reha- und Vermietkanäle.
AURORIDE als Großhandelspartner
AURORIDE beliefert Händler, Distributoren und Fuhrparkbetreiber in Europa ausschließlich im Großhandel. Die Mindestbestellmenge beträgt 10 Einheiten pro Bestellung (Modellmix möglich), ein Testgerät ist vorab verfügbar, und ein Einzelverkauf an Endkunden erfolgt nicht. Jedes Modell wird mit CE- und EN-17128-Dokumentation geliefert, Ersatzteile lagern in Europa zu eigenen Teilekonditionen, und das Händlerprogramm schützt Gebiet und Werbepreis. Siehe Händlerprogramm oder Händlerbewerbung.
Häufige Fragen
Welche Mindestbestellmenge ist üblich?
10 Einheiten pro Bestellung sind der gängige Mindestwert beim Direktbezug ab Werk; ein Modellmix innerhalb der Bestellung ist meist zulässig.
Kann ich vor der Sammelbestellung ein Gerät testen?
Ja. Üblich ist ein Vorführgerät pro Modell zu Test- und Evaluationskonditionen.
Brauche ich eine eigene Werkstatt?
Erforderlich ist Erstservice-Fähigkeit — Diagnose und Teiletausch. Das kann ein eigener Techniker oder eine Vertragswerkstatt sein, muss aber im Verkaufsland vorhanden sein.
Welche Norm ist entscheidend?
CE-Kennzeichnung plus EN 17128 für persönliche leichte Elektrofahrzeuge (bzw. EN 15194 für Pedelecs) sowie UN 38.3 für den Akku.
Wie lange dauert die Lieferung aus China?
Rechnen Sie mit rund 50 Tagen ab Produktionsauftrag bis zum EU-Lager, zuzüglich Zollabfertigung.